Wenn du an Lavendel denkst, hast du vermutlich die klassischen lila Blütenähren des Provence-Lavendels vor Augen. Tatsächlich gibt es aber weit mehr als 40 Lavendel-Arten und unzählige Sorten in verschiedensten Farben, Größen und Wuchsformen. Vom kompakten Zwerglavendel bis zum mannshohen Strauch, von zart hellrosa bis tiefviolett ist alles dabei. Wer die richtigen Sorten kennt, kann seinen Garten gezielt mit verschiedenen Lavendel-Varianten gestalten.
In diesem Artikel zeigen wir dir die schönsten Lavendel-Sorten im Überblick, was sie auszeichnet und welche zu welchem Standort und Zweck passen. So findest du den idealen Lavendel für deinen Garten oder Balkon.
- Über 40 Lavendel-Arten weltweit, viele Sorten für den Garten
- Echter Lavendel ist die robusteste und winterhärteste Sorte
- Schopflavendel mit den auffälligen „Schöpfen“ auf den Blüten
- Provence-Lavendel ist besonders ertragreich und duftintensiv
- Es gibt auch weiße, rosa und sogar gelbe Lavendel-Sorten
Die wichtigsten Lavendel-Arten im Überblick
Bevor wir zu den einzelnen Sorten kommen, ein Blick auf die wichtigsten Arten. Sie unterscheiden sich in Aussehen, Winterhärte und Duftintensität.
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)
Der Klassiker und am häufigsten kultivierte Lavendel. Sehr winterhart, robust und mit dem typischen, intensiven Lavendelduft. Wird etwa 30 bis 60 Zentimeter hoch und blüht von Juni bis August.
Provence-Lavendel (Lavandula x intermedia)
Auch Lavandin genannt, ein natürlicher Hybrid aus Echtem und Speik-Lavendel. Wird etwas größer als der echte Lavendel (60-100 cm) und hat besonders große Blütenähren. Wird in der Provence kommerziell für Lavendelöl angebaut.
Schopflavendel (Lavandula stoechas)
Mit den charakteristischen „Schöpfen“ auf den Blütenähren, die wie kleine Federn aussehen. Etwas weniger winterhart als andere Sorten. Blüht früher (Mai-Juli) und intensiver in der Farbe.
Speik-Lavendel (Lavandula latifolia)
Mit breiteren Blättern und etwas anderem Duft als der Echte Lavendel. Eine der ursprünglichsten Lavendel-Arten, in der Wildform vor allem in Spanien zu finden.
Zahn-Lavendel (Lavandula dentata)
Mit gezackten, fast farnähnlichen Blättern. Etwas exotischer und seltener im Handel. Nicht so winterhart wie der echte Lavendel, in rauen Lagen besser im Topf zu kultivieren.
Sorten des Echten Lavendels
Innerhalb der Art Lavandula angustifolia gibt es zahlreiche Zuchtformen. Hier die wichtigsten und schönsten.
Lavandula angustifolia „Hidcote“
Eine der bekanntesten und am häufigsten verwendeten Sorten. Tief lila Blüten, kompakter Wuchs (30-40 cm), sehr winterhart und blühfreudig. Perfekt für Beete und Hecken.
Lavandula angustifolia „Munstead“
Etwas heller in der Farbe als Hidcote, ebenfalls kompakt. Eine der robustesten Sorten und ideal für Anfänger.
Lavandula angustifolia „Dwarf Blue“
Eine besonders kompakte Zwergsorte (20-30 cm) für kleine Beete oder Töpfe. Ideal als Einfassung von Wegen.
Lavandula angustifolia „Rosea“
Eine seltenere Variante mit zartrosa Blüten statt der typischen lila Färbung. Sehr dekorativ in Kombination mit klassischem lila Lavendel.
Lavandula angustifolia „Alba“
Eine weiße Sorte. Wirkt besonders elegant und passt gut in romantische oder weiße Gartenkonzepte.
Provence-Lavendel-Sorten
Lavandin-Sorten sind robust, ertragreich und werden besonders groß.
Lavandula x intermedia „Grosso“
Die wohl bekannteste Lavandin-Sorte. Wird bis 80 cm hoch, hat sehr lange Blütenstände und einen besonders intensiven Duft. Wird in der Provence für Lavendelöl angebaut.
Lavandula x intermedia „Provence“
Heller in der Farbe als Grosso, mit zarteren Blütenständen. Sehr beliebt in deutschen Gärten und ein zuverlässiger Blüher.
Lavandula x intermedia „Dutch“
Robuster und etwas kompakter als andere Lavandins. Besonders gut für rauere Lagen geeignet, weil winterhart.
Schopflavendel-Sorten
Schopflavendel-Sorten haben charakteristische „Schöpfe“ und blühen früher als andere Sorten.
Lavandula stoechas „Anouk“
Tief violette Blüten mit kontrastreichen Schöpfen. Eine der beliebtesten Sorten für Töpfe und Balkone. Nicht völlig winterhart, in rauen Lagen frostgeschützt überwintern.
Lavandula stoechas „Royal Crown“
Besonders große, prachtvolle Blütenstände mit auffälligen Schöpfen. Sehr dekorativ und blüht oft zweimal pro Jahr.
Lavandula stoechas „Alba“
Eine weiße Sorte des Schopflavendels. Selten und sehr dekorativ, besonders schön in Kombination mit den klassischen lila Sorten.
Welcher Lavendel passt zu welchem Standort?
Für rauere Lagen und Gärten in Höhenlagen
Echter Lavendel (Hidcote, Munstead) ist die sicherste Wahl. Er übersteht selbst harte Winter mit Temperaturen bis -25 Grad. In Höhen über 1000 m allerdings auch hier auf einen geschützten Standort achten.
Für milde Lagen
Hier kannst du auch empfindlichere Sorten wie Schopflavendel oder Zahnlavendel im Garten halten. Beide sehen besonders dekorativ aus und blühen früher als der echte Lavendel.
Für den Balkon
Zwergsorten wie „Dwarf Blue“ oder kompakte Schopflavendel-Sorten eignen sich gut. Wichtig ist eine durchlässige Erde und ein nicht zu großer Topf, damit die Wurzeln nicht zu nass stehen. Mehr zur Pflege findest du im Beitrag zum Lavendel düngen.
Für Hecken und Einfassungen
Mittelgroße Sorten wie „Hidcote“ oder „Munstead“ sind ideal. In Reihen gepflanzt entstehen wunderschöne Lavendel-Hecken, die nicht nur dekorativ sind, sondern auch Bienen und andere Insekten anziehen.
Für Lavendelöl-Produktion
Wer eigenes Lavendelöl machen möchte, ist mit Provence-Lavendel „Grosso“ am besten bedient. Die langen Blütenstände liefern mehr Material und der Duft ist besonders intensiv.
Lavendel-Farben und Wirkung
Klassisches Lila/Violett
Die typische Farbe der meisten Lavendel-Sorten. Beruhigend, klassisch und passt zu fast jedem Gartenstil. Hidcote und Anouk sind hier die Stars.
Hellblau/Bläulich
Sorten wie „Munstead“ haben einen leicht bläulichen Schimmer. Sehr elegant und passt gut zu silbrigem Laub anderer Pflanzen.
Rosa
„Rosea“ oder „Hidcote Pink“ sind seltene rosa Sorten. Sehr feminin und romantisch, eine schöne Abwechslung zur klassischen Lila-Optik.
Weiß
„Alba“-Sorten sind besonders bei modernen oder romantischen Gartenkonzepten beliebt. Sie wirken eleganter und kühler als die klassischen Sorten.
Pflege der verschiedenen Sorten
Grundsätzlich brauchen alle Lavendel-Sorten ähnliche Bedingungen: sonniger, warmer Standort, durchlässiger Boden mit Kalk-Anteil, sparsame Bewässerung und kaum Düngung.
Spezifische Unterschiede
- Schopflavendel: Etwas mehr Frostschutz im Winter
- Provence-Lavendel: Etwas mehr Platz wegen größerem Wuchs
- Zahn-Lavendel: In Töpfen besser zu halten als im Beet
- Zwergsorten: Häufiger gießen im Sommer, weil weniger Wurzeln
Mehr zur generellen Lavendelpflege gibt es im Beitrag zum Lavendel pflanzen.
Kombination verschiedener Sorten
Wer einen besonders schönen Garten möchte, kombiniert verschiedene Lavendel-Sorten. Das ergibt nicht nur eine längere Blütezeit, sondern auch interessante Farb- und Höhenkontraste.
Beispiel für eine Lavendel-Kombination
- Hinten: Provence-Lavendel „Grosso“ für Höhe und Volumen
- Mitte: Echter Lavendel „Hidcote“ für klassische Optik
- Vorne: Zwerg-Lavendel „Dwarf Blue“ als Einfassung
- Akzent: Weißer Lavendel „Alba“ für Kontrast
Diese Kombination hat verschiedene Höhen, Farben und Blütezeiten, sodass den ganzen Sommer über etwas blüht.
Lavendel als Schnittblume und für Trockenblumen
Nicht jeder Lavendel eignet sich gleich gut für Trockenblumen oder als Schnittblume. Hier ein paar Empfehlungen.
Für Trockenblumen
Provence-Lavendel „Grosso“ mit seinen langen Stielen und dichten Blütenständen ist ideal. Auch „Munstead“ und „Hidcote“ eignen sich gut. Die Stiele werden geerntet, kurz bevor die Blüten ganz geöffnet sind, dann zum Trocknen aufgehängt.
Als Schnittblume
Provence-Lavendel-Sorten mit ihren langen Stielen sind die beste Wahl. Eine Vase mit duftendem Lavendel ist nicht nur dekorativ, sondern verströmt auch tagelang einen mediterranen Duft.
Häufige Fragen zu Lavendel-Sorten
Welche Lavendel-Sorte ist am winterhärtesten?
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), vor allem die Sorten „Hidcote“ und „Munstead“. Sie überstehen Temperaturen bis -25 Grad ohne Schutz.
Welcher Lavendel duftet am stärksten?
Provence-Lavendel (Lavandin), vor allem die Sorte „Grosso“. Sie wird auch kommerziell für Lavendelöl angebaut.
Gibt es Lavendel ohne lila Blüten?
Ja, es gibt weiße („Alba“) und rosa („Rosea“) Sorten. Beide sind seltener, aber dekorativ. Für gelbe Blüten musst du auf andere Pflanzen ausweichen.
Welcher Lavendel eignet sich für den Balkon?
Zwergsorten wie „Dwarf Blue“ oder kompakte Schopflavendel-Sorten wie „Anouk“. Beide bleiben klein genug für Töpfe und blühen üppig.
Wie unterscheide ich Echten Lavendel von Lavandin?
Lavandin ist meist größer (bis 1 m), hat längere Blütenstände und stärkeren Duft. Echter Lavendel ist kompakter (30-60 cm) und etwas zarter im Erscheinungsbild.
Fazit
Die Vielfalt der Lavendel-Sorten ist beeindruckend und für jeden Garten ist etwas dabei. Vom robusten Hidcote für rauere Lagen über den prachtvollen Provence-Lavendel „Grosso“ bis zum kompakten Zwerg-Lavendel für den Balkon – wer einmal anfängt, Lavendel zu sammeln, entdeckt immer neue Sorten und Farben.
Mit der richtigen Sortenwahl und einem geeigneten Standort hast du jahrelang Freude an deinen Lavendel-Pflanzen. Sie sind nicht nur dekorativ und duftend, sondern auch wertvoll für Bienen und Schmetterlinge. Eine echte Win-Win-Situation für deinen Garten und die Insektenwelt.
