Wer von einem Garten träumt, der wenig Arbeit macht, fantastisch duftet und dabei aussieht wie ein purpurrotes Blütenmeer, kommt am Roten kriechenden Thymian (Thymus praecox ‚Coccineus‘ oder Thymus serpyllum) nicht vorbei. Dieser Bodendecker ist ein echter Alleskönner: Er verzeiht Trockenheit, unterdrückt Unkraut und ist robust genug, um gelegentlich betreten zu werden. Besonders in Zeiten heißer Sommer gewinnt er als „Duftrasen“ immer mehr an Bedeutung.
Das Wichtigste in Kürze:
- Standort: Vollsonne ist Pflicht; Schatten verträgt er gar nicht.
- Boden: Mager, sandig und extrem durchlässig. Staunässe ist tödlich.
- Blütezeit: Juni bis August; bildet dichte, magentafarbene bis rote Blütenteppiche.
- Besonderheit: Bedingt trittfest (begehbar) und ein absoluter Magnet für Bienen und Hummeln.
Was macht den „Roten“ so besonders?
Im Gegensatz zum klassischen Küchentymian wächst diese Sorte nicht als kleiner Busch in die Höhe, sondern kriecht flach (ca. 3–5 cm hoch) über den Boden. Die Triebe bewurzeln sich dort, wo sie die Erde berühren, und bilden so rasch dichte Matten. Der Beiname ‚Coccineus‘ steht für die intensive Farbe. Während andere Thymian-Sorten blasslila blühen, leuchtet diese Sorte in einem kräftigen Karmesinrot bis Pink. Wenn man über den Teppich läuft, setzen die Blätter ätherische Öle frei, die einen würzigen Duft verströmen.
Pflanzen: Die Vorbereitung ist alles
Thymian ist anspruchslos, aber nur, wenn der Start stimmt. Der häufigste Fehler ist zu gut gemeinte Erde.
Der Boden Thymian hasst „nasse Füße“. Setzen Sie ihn in normale Blumenerde oder fetten Lehmboden, wird er im ersten Winter verfaulen.
- Bei Lehmboden: Mischen Sie unbedingt großzügig Sand, Split oder feinen Kies unter die Erde (Verhältnis fast 1:1).
- Drainage: Sorgen Sie dafür, dass Regenwasser schnell abfließen kann.
Der Pflanzabstand Wollen Sie eine Fläche schnell schließen? Rechnen Sie mit ca. 8 bis 10 Pflanzen pro Quadratmeter. Die besten Pflanzzeiten sind das Frühjahr (März bis Mai) oder der frühe Herbst (September). Wenn Sie ihn als „Fugenfüller“ zwischen Trittsteine setzen, können Sie die Wurzelballen auch teilen, um sie in schmale Ritzen zu bekommen.
Pflege: Weniger ist mehr
Ist der Thymian einmal angewachsen (nach ca. 4–6 Wochen), gilt das Gärtner-Motto: Vernachlässigung ist die beste Pflege.
- Gießen: Gießen Sie nur in extremen Dürreperioden. Thymian holt sich Wasser aus der Tiefe. Zuviel Wasser führt zu Pilzerkrankungen.
- Düngen: Niemals! Oder fast nie. Dünger lässt die Triebe lang und weich werden („Vergeilen“), was die Winterhärte herabsetzt und die Blüte reduziert. Ein wenig Kompost im Frühjahr reicht völlig.
- Der Rückschnitt: Das ist der einzige Pflichttermin. Nach der Blüte (ca. Ende August) sollten Sie den Teppich mit einer Heckenschere oder dem Rasenmäher (auf höchster Stufe!) leicht zurückschneiden. Das verhindert, dass die Pflanzen von innen verkahlen, und hält den Teppich kompakt.
Verwendung als Rasenersatz?
Kann man Thymian statt Rasen säen? Ja, der sogenannte „Duftrasen“ ist beliebt. Aber man muss realistisch bleiben: Roter Thymian ist bedingt trittfest.
- Geeignet für: Flächen, die man gelegentlich betritt (zum Gießen, Sonnenbaden, Barfußlaufen).
- Nicht geeignet für: Fußballspielende Kinder oder ständige Partys.
Tipp: Legen Sie in viel begangenen Zonen Trittsteine aus Naturstein. Der Thymian wächst in die Fugen und über die Ränder der Steine. Das sieht romantisch aus und schont die Pflanzen an den Hauptlaufwegen.
Winterschutz
Der Rote kriechende Thymian ist in unseren Breiten meist winterhart (bis -20 Grad). Sein Feind im Winter ist nicht die Kälte, sondern die Nässe (Kahlfröste in Kombination mit Winterregen). An sehr exponierten Stellen kann es helfen, im ersten Winter etwas Reisig als Sonnenschutz (gegen Austrocknung bei gefrorenem Boden) aufzulegen. Generell kommt er aber ohne Hilfe durch den Winter und bleibt oft sogar wintergrün (bzw. färbt sich rötlich-bronzefarben).
Fazit
Roter kriechender Thymian ist die Antwort auf den Klimawandel im Garten. Er spart Wasser, füttert Insekten und ersetzt langweilige Schottergärten durch lebendige Farbe. Wer ihm den sonnigsten, kargsten Platz im Garten gibt, wird mit einem Blütenmeer belohnt, das Jahre hält.
