Kaum ein Tier spaltet die Gemüter von Gartenbesitzern so sehr wie die Taube. Für die einen ist sie das biblische Symbol des Friedens und ein interessantes Beobachtungsobjekt, für die anderen die „Ratte der Lüfte“, die Terrassen verschmutzt und Krankheiten überträgt. Doch pauschaler Hass ist oft ebenso unbegründet wie falsch verstandene Tierliebe. Um zu entscheiden, ob die Vögel in Ihrem Garten ein Problem darstellen, muss man zunächst wissen, wer da eigentlich gurrt.
Das Wichtigste in Kürze:
- Unterscheidung: Wildtauben (z.B. Ringeltauben) sind meist harmlos und scheu; Stadttauben hingegen treten in Schwärmen auf und verursachen Schäden.
- Schaden: Das Hauptproblem ist nicht der Fraß an Pflanzen, sondern der aggressive, ätzende Kot auf Wegen und Möbeln.
- Nutzen: Taubenkot ist (kompostiert) ein extrem starker Dünger; zudem richten Tauben kaum Schäden an der Gemüseernte an.
- Abwehr: Das Töten ist verboten. Effektive Vergrämung funktioniert nur über optische Reize oder physische Barrieren (Spikes/Netze).
Der feine Unterschied: Wildtaube vs. Stadttaube
Bevor man das Urteil „Schädling“ fällt, lohnt ein Blick auf das Gefieder. Im Garten begegnen uns meist drei Arten, die völlig unterschiedliches Verhalten an den Tag legen:
- Die Ringeltaube: Sie ist unsere größte heimische Taube, erkennbar am weißen Halsfleck. Sie ist ein Wildtier, meist scheu und tritt paarweise auf. Sie brütet in Bäumen und ist für den Garten in der Regel völlig unproblematisch.
- Die Türkentaube: Zierlich, beige-grau mit einem schwarzen Nackenring. Auch sie ist eher harmlos und frisst Sämereien.
- Die Stadttaube (Straßentaube): Hier liegt das Problem. Sie ist ein verwildertes Haustier (Nachkomme der Felsentaube). Sie kennt keine Scheu, brütet in Nischen an Gebäuden und tritt in Gruppen auf. Wenn Sie über eine „Plage“ klagen, meinen Sie fast immer diese Art.
Die Nachteile: Warum Tauben nerven können
Wenn sich eine Kolonie Stadttauben Ihren Garten oder Balkon als Hauptquartier aussucht, entstehen reale Konflikte:
Der Kot Das größte Ärgernis. Taubenkot ist chemisch aggressiv. Die Harnsäure verätzt Naturstein, bleicht Holzterrassen aus und greift Autolacke an. Zudem ist der Kot, wenn er trocknet und staubt, ein potenzieller Träger von Krankheitserregern (dazu unten mehr).
Lärmbelästigung Das monotone Gurren, besonders in den frühen Morgenstunden während der Balzzeit, kann zur Nervenprobe werden. Hinzu kommt das trippelnde Geräusch der Krallen auf Fensterblechen oder Balkongeländern.
Ungebetene Gäste Tauben sind unordentliche Fresser. Wer Tauben füttert (oder Vogelfutter für Meisen offen liegen lässt), lockt zwangsläufig auch Ratten und Mäuse an, die die Reste vom Boden vertilgen.
Die Vorteile: Sind Tauben nützlich?
Objektiv betrachtet sind Tauben für den Gärtner die angenehmeren Vögel im Vergleich zu Amseln oder Staren.
Kein Ernteschaden Tauben interessieren sich kaum für Ihre mühsam gezogenen Tomaten, den Salat oder die Erdbeeren. Sie sind Körnerfresser. Während Amseln Beete zerwühlen oder Stare den Kirschbaum leerräumen, picken Tauben meist nur heruntergefallene Sämereien vom Boden oder zupfen an jungen Trieben, was selten zu Ernteausfällen führt.
Der Guano-Effekt Was auf der Terrasse stört, ist im Beet Gold wert. Taubenkot (Guano) ist einer der stickstoff- und phosphatreichsten Naturdünger der Welt. Wer den Kot aufsammelt und kompostiert (mindestens ein Jahr verrotten lassen wegen der Schärfe!), erhält einen Turbodünger für Starkzehrer.
Teil des Ökosystems Wildtauben sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette. Sie dienen Greifvögeln wie dem Habicht oder dem Wanderfalken als Beute. Ein Garten, der Wildtauben beherbergt, ist oft ein Zeichen für ein intaktes ökologisches Umfeld.
Gesundheitsrisiko: Mythos und Wahrheit
Werden Tauben zu Recht als Krankheitsüberträger gefürchtet? Ja und Nein. Tauben können Parasiten wie die Taubenzecke, Flöhe oder Milben tragen. Auch Salmonellen oder die Papageienkrankheit (Ornithose) sind möglich. Allerdings: Für einen gesunden Menschen ist die Ansteckungsgefahr im Garten extrem gering, solange man keine toten Tiere anfasst oder trockenen Kotstaub inhaliert. Die Bezeichnung „Ratten der Lüfte“ ist aus epidemiologischer Sicht übertrieben.
Fazit und Maßnahmen
Sind Tauben nun gut oder schlecht?
- Ringel- und Türkentauben: Gut. Genießen Sie den Anblick, sie tun Ihrem Garten nichts.
- Stadttauben: Schlecht, wenn sie nisten. Dulden Sie keine Nistplätze an der Hausfassade.
Was Sie tun können (und dürfen): Töten, Fangen oder Vergiften ist nach dem Tierschutzgesetz streng verboten. Setzen Sie auf Vergrämung:
- Futterstopp: Lassen Sie kein Futter offen liegen. Nutzen Sie Silos statt offener Vogelhäuschen.
- Optische Reize: Raben-Attrappen helfen nur kurzfristig, da Tauben intelligent sind. Bewegliche Elemente wie glitzernde Windspiele, aufgehängte CDs oder flatternde Bänder sind effektiver.
- Physische Barrieren: „Spikes“ (stumpfe Metallspitzen) auf Balken verhindern das Absitzen. Spannen Sie dünne Drähte über beliebte Landeplätze (Geländer).
Ein Garten verträgt durchaus ein Taubenpaar. Erst wenn aus dem Paar ein Schwarm wird, ist Handlungsbedarf gegeben.
